Studienwahl
22.000 Studiengänge – warum die Zahl allein niemandem hilft
Vor zwanzig Jahren gab es rund 9.600 Studiengänge in Deutschland. Heute sind es über 22.000. Das klingt nach mehr Freiheit. In der Beratung erleben wir das Gegenteil.
Die Zahl wird gern genannt, meist mit einem Unterton von Fortschritt: Seht her, wie viel heute möglich ist. Wer mit Siebzehnjährigen am Tisch sitzt, hört etwas anderes heraus.
Wer weiß, was er kann, hat aus 22.000 Studiengängen vierzig gemacht. Aus vierzig kann man wählen.
Denn eine Entscheidung wird nicht dadurch leichter, dass es mehr Möglichkeiten gibt. Sie wird schwerer. Psychologen nennen das die Qual der Wahl, und sie lässt sich gut beobachten: Wer zwischen drei Sorten Marmelade wählt, kauft eine. Wer zwischen vierundzwanzig wählt, geht ohne.
Dazu kommt über 1.800 duale Studiengänge und rund 330 anerkannte Ausbildungsberufe. Niemand kann diese Menge überblicken – auch wir nicht. Das ist der entscheidende Punkt: Es geht nicht darum, alles zu kennen.
Was aus der Zahl folgt
Wer 22.000 Möglichkeiten vor sich hat, braucht kein größeres Verzeichnis, sondern ein Verfahren, das die Menge verkleinert. Das heißt: erst herausfinden, was man kann und was einen trägt – und dann suchen. Nicht umgekehrt.
Genau deshalb steht bei uns die Analyse vor der Recherche. Wer weiß, dass seine Stärken im räumlichen und im naturwissenschaftlichen Denken liegen und dass er in Gruppen aufblüht, hat aus 22.000 Studiengängen vielleicht vierzig gemacht. Aus vierzig kann man wählen.
Die zweite Folge ist unbequemer: Diese Reihenfolge braucht Zeit. Wer im Abiturjahr anfängt, hat sie nicht mehr – für ein duales Studium etwa laufen die Bewerbungsfristen rund ein Jahr vor Studienbeginn.
Und wenn man einfach ChatGPT fragt?
Ein Sprachmodell kann aus 22.000 Studiengängen in Sekunden vierzig machen. Es kennt sie, es sortiert sie, und es formuliert die Antwort freundlich. Was es nicht kann: prüfen, ob die Voraussetzungen, die Sie ihm genannt haben, überhaupt stimmen. Es misst nicht, es spiegelt. Mehr dazu unter Was ChatGPT bei der Studienwahl leistet.
Zahlen nach Hochschulkompass und Bundesinstitut für Berufsbildung. Die Angabe zur Marmeladenstudie bezieht sich auf Iyengar/Lepper, Journal of Personality and Social Psychology, 2000.
Recherche mit KI-Unterstützung. Für diesen Beitrag wurden öffentlich zugängliche Quellen maschinell ausgewertet – Meldungen der Ministerien, Studien, amtliche Statistiken. Geprüft, überarbeitet und verantwortet hat ihn Lutz Thimm.